SICHERHEITSREPORT | DETAILHANDEL
Methoden, Muster und Schutzmassnahmen für den Detailhandel
Betrug am Kassenplatz ist kein Zufallsdelikt — die Täter sind gut vorbereitet, kennen Abläufe und nutzen gezielt Schwächstellen in Prozessen und im menschlichen Verhalten aus. Die folgende Zusammenstellung zeigt reale, dokumentierte Fälle und ergänzt diese um weitere bekannte Muster, über die Kassenpersonal informiert sein sollte.
Teil 1: Dokumentierte Betrugs-Fälle
1. Fingierte Doppelbelastung via Twint
Kategorie: Digitale Zahlung | Risiko: Mittel
Der Betrüger behauptet, sein Twint-Konto sei doppelt belastet worden, und fordert eine Rükvergütung direkt am Kassenplatz. Die angebliche Doppelbelastung existiert nicht — der Betrag wird gutgeschrieben, ohne dass je eine Belastung erfolgt ist.
2. Retour-Buchung via fremden QR-Code
Kategorie: Social Engineering | Risiko: Hoch
Eine Person gibt sich als Buchhalter oder Kassentechniker aus und verlangt, eine Retoure-Buchung durchzuführen. Der Kassierer meint, dem Anrufer sofort dienstbar zu sein, weil dieser durch seine Kenntnisse der Materie und durch Vorbringen von Verzugs- oder Abschlussterminen Zeitdruck erzeugt.
Der Betrüger verlangt vom Kassierer Informationen, mit denen er die Kommunikation verstärken kann. Mittels Angabe von Artikelnummern oder EAN-Codes, die er aus dem Onlineshop abgerufen hat, erreicht der betrüger, dass der Kassierer einen oder mehrere Retourenbelege mit diesen Artikel erzeugt. Die Vergütung der Retouren verlangt nach einem Vergütungskonto. Das Vergütungskonto wird als QR-Code auf das Smartphone des Kassieres übermittelt, als SMS, MMS oder per Whatsapp oder anderen Messengers — die Gutschrift landet beim Betrüger.
3. Bonabbruch nach Barzahlung
Kategorie: Interner Betrug | Risiko: Hoch
Das Kassenpersonal bricht den Beleg ab, nachdem der Kunde auf Subtotal bezahlt und keinen Kassenzettel verlangt. Die Transaktion bleibt unvollständig gebucht — das eingenommene Bargeld wird unterschlagen.
4. Rückgabe mit minderwertiger Fremdware
Kategorie: Retoure | Risiko: Mittel
Der Betrüger kauft einen Artikel in der regulären Filiale, beschafft sich ein günstigeres oder defektes Produkt derselben Sorte online oder bei Restpostenanbietern und bringt dieses nach der Rückgabefrist zurück — zusammen mit der Originalquittung des neu gekauften Artikels.
5. Versteckte NFC-Abbuchung in der Menge
Kategorie: NFC / Kontaktlos | Risiko: Mittel
Mittels einer Bezahl-App und einem vorbereiteten Warenkorb hält der Täter sein Smartphone in Warteschlangen oder im ÖV an fremde kontaktlose Karten und löst eine Zahlung aus, bevor der Karteninhaber reagieren kann.
Weitere bekannte Betrugsmethoden
6. Artikel nicht scannen (Sweethearting)
Kassenpersonal oder ein abgelenktes Team lässt Artikel — absichtlich oder durch Ablenkung — unerfasst passieren. Häufig in Kombination mit intensiver Konversation, um die Kassenkraft zu beschäftigen.
7. Preisetiketten tauschen oder überkleben
Der Täter befestigt Etiketten günstigerer Produkte auf hochpreisige Artikel oder druckt gefälschte Barcodes, die an der Kasse einen falschen Preis auslösen.
8. Wechselgeld-Trick (Quick-Change)
Der Täter verwirrt das Kassenpersonal durch rasches Wechseln von Scheinen und gezieltes Nachfragen, um mehr Wechselgeld herauszuholen als bezahlt wurde. Typischerweise in Stressmomenten oder bei viel Andrang eingesetzt.
9. Retoure mit gefälschtem Kassenbon
Originalquittungen werden kopiert, bearbeitet oder im Abfall gefunden. Damit wird die Rückgabe von Artikeln beansprucht, die nie beim Händler gekauft wurden.
Teil 3: Empfehlungen für den Kassenalltag
- Rückerstattungen immer nur über offizielle Kanäle und mit Vorgesetztengenehmigung — nie auf fremde QR-Codes oder Konten. Ohne Ware keine Vergütung. Das Personal muss gesschult werden .
- Bei Twint und anderen Apps gilt: Die Zahlung ist erst abgeschlossen, wenn sie im eigenen Kassensystem grün bestätigt wird.
- Retouren immer mit Originalbon und Prüfung des Artikelzustands dokumentieren — bei Verdacht Fotos machen.
- Ablenkungsversuche bewusst wahrnehmen: ruhig, strukturiert und ohne Hektik kassieren.
- Angebliche Techniker oder Buchhalter ohne Voranmeldung: sofort Vorgesetzte informieren, keine Buchungen vornehmen.
- Regelmässige Schulungen und klare Eskalationswege im Team etablieren
Dieser Bericht richtet sich an Mitarbeitende im Detailhandel zur Sensibilisierung. Bei konkretem Verdacht auf Betrug: Vorgesetzte informieren und wenn nötig die Strafverfolgungsbehörden einschalten.
Sind Ihnen weitere Betrugsfälle am Kassentresen bekannt. Schreiben Sie uns per eMail an folgende Adresse: Administration+Sicherheit@adega.ch.